Mit Laudamotion auf die Kanaren – Ein Flugreport

Vorgeschichte

Am 11.01.2019 sollte es nach Gran Canaria gehen, da wir ab dem 13.01. eine Reise auf der Mein Schiff 1 von TUI Cruises gebucht hatten. Da die Flugarrangements der Kreuzfahrtgesellschaften meist nicht die günstigsten sind und wir obendrein auch noch etwas von Gran Canaria sehen wollten, entschlossen wir uns also, 2 Tage eher auf eigene Faust anzureisen. Bei der Suche fiel der Laudamotion Flug in zweierlei Hinsicht positiv auf. Einmal preislich und zum anderen durch seine frühe Abflugzeit um 6:05. Da bleibt noch richtig was vom Urlaubstag auf der Insel.

Eine eigene Webseite besaß Laudamotion nie. Als Buchungsplattform wird die Seite von Ryanair genutzt, dessen Tarifmodell auch auf die Laudamotion Flüge angewendet wird.
Zum Zeitpunkt der Buchung lag der Einstiegspreis bei 24,99€ (später sogar ab 16,99€ zu haben gewesen). Da wir allerdings gern etwas mehr Leistung haben und ohnehin zusammenhängende Plätze haben wollten, fiel mein Blick auf dern Flexi Plus Tarif und dessen lange Liste an Inklusivleistungen und ich erinnerte mich, dass wir auch schon einmal nach Bergamo mit Ryanair geflogen waren und der Tarif damals Business Plus Tarif hieß. Na dachte ich, da kann ja nichts schief gehen, in dem Tarif ist für alle Fälle alles drin. Für zwei Personen belief sich die Summe auf 143,39€.

Als ich nun einige Tage vor dem Abflug die Unterlagen nochmals audrucken wollte, fiel mir auf, dass dort zwar stets von zwei Handgepäckstücken, jedoch nicht von einem Aufgabegepäckstück die Rede war. Ein Anruf bei der Hotline und ein weiterer Blick auf die Webseite sorgte für Klarheit. Ich war einem der zahlreichen Tricks aufgesessen, die bei Ryanair seit je her immer wieder für Verärgerung bei Kunden sorgen und die laut eigener Aussage von Ryanair längst ver Vergangenheit angehören sollten. Genau dort, wo beim mittelpreisigen Plus Tarif die 20 KG Freigepäck aufgeführt sind, ist in der langen Liste der Leistungen beim Flexi Plus Tarif eine Leerzeile. OK dumm gelaufen. Da waren dann pro Person nochmal 40 Euro für den Koffer fällig und damit lag der Gesamtpreis des Fluges so ziemlich gleich auf mit den Preisen der Mitbewerber wie Tuifly oder Condor.

Der Tag des Abfluges

Ausgerechnet am Tag vor unserem Abflug wurde der Flughafen Düsseldorf ganztätig durch das Sicherheitspersonal bestreikt und unsere Befürchtungen wuchsen, dass wir womöglich am Tag darauf um 06:05 nicht dort wegkämen, nämlich dann, wenn am Tag zuvor in Düsseldorf keine Flüge angekommen sind und somit kein Flugzeug über Nacht dort stand.
Unsere Sorge war unbegründet. Am Abend zuvor landeten mehrere Maschinen planmäßig in Düsseldorf und unserem Abflug in den Urlaub sollte nichts mehr im Wege sehen.

Am Flughafen

Nachdem wir es in der Warteschlange bis zum Schalter geschafft hatten, weigerte sich die recht reservierte Dame am Schalter uns kostenlos einzuchecken, obwohl dies mit unserem Tarif so zugesichert wurde. Sie wollte nun nochmals 50 Euro pro Person haben, was einen ziemlichen Disput zwischen mir und der Dame auslöste, der damit endete, dass diese entgegnete, wir müssten ja ohnehin am Serviceschalter das Gepäck anmelden und sollten das Problem da klären.
Der zwar sehr freundliche, aber äußerst gelangweilt wirkende Herr am Serviceschalter erläuterte mein Problem mit den Worten „Dann haben die da drüben mal wieder die Augen nich aufgemacht oder nix gesehen oder was – das is ja nix neues hier.“ Nachdem wir unser Gepäck angemeldet und bezahlt hatten, wurden wir von dem Herrn mit den Worten entlassen „Wenn die da drüben ein Problem hat soll sie mich anrufen.“
Zurück am Check In landeten wir diesmal bei einer anderen, ähnlich reservierten, um nicht zu sagen unfreundlichen, Dame, die uns immerhin bestätigte, dass das Einchecken im Flexi Plus Tarif natürlich kostenlos am Flughafen möglich sei. Dennoch benötigte sie im Anschluss mehrere Minuten um ihrem Computer die beiden Bordkarten zu entlocken.

Nun war schon so viel Zeit vergangen, dass wir uns gleich zur Sicherheitskontrolle aufmachten. Auch hier brachte unser teurer Tarif wenig, denn an der Priority Lane war die Schlange ca. genau so lang wie nebenan.

Und ab in den Flieger

Einen schnellen Kaffee und ein kleines Frühstück später begann dann auch der Einstiegsprozess pünktlich und zügig. Auch hier werben Laudamotion und Ryanair vollmundig mit den Vorteilen vom Priority Boarding beim teuren Tarif oder als kostenpflichtige Zusatzleistung in den einfachen Tarifen. Aber auch hier ist mehr Schein als Sein an der Tagesordnung. Denn was bringt das schönste Priority Boarding, wenn der Flieger auf einer Außenposition steht und mit den Priority Kunden auch noch 50 andere in den Bus gestopft werden, bevor dieser losfährt. Am Flieger stand die Schlange wie eh und je und war wohl mehr dem Zufall als der vorausschauenden Planung des Luftfahrtunternehmens zu verdanken, dass wir, mit unseren Plätzen in Reihe 1, noch Platz für unsere zwei Handgepäckstücke in den Gepäckfächern fanden.
Aber auch darüber hinaus blieb uns das Glück hold, denn trotz guter Auslastung blieb der dritte Platz in unserer Reihe leer.

Die Maschine zeigte sich von den Sitzen über den Teppichboden bis hin zur Toilette in einem sehr sauberen und gepflegten Zustand.
Äußerst erstaunt hat mich beispielsweise, dass es in den Waschräumen trotz des Vorhandenseins der typischen Flüssigseifenpumpen am Waschbecken noch ein Körbchen mit kleinen Seifenstücken gab. Das ist fast ein Exot aus einer anderen Zeit der Luftfahrt.

Recht pünktlich ging es dann auch los und der Flug verlief problemlos und unspektakulär.

Sämtliche Speisen und Getränke werden, auch in den höherpreisigen Tarifen, nur gegen Aufpreis serviert. Natürlich darf auch ein Bordverkauf nicht fehlen.
Die nachdrücklichen und mehrfachen Verkaufsdurchgänge und die Lotterielose wie man es von Ryanair her häufig kennt, blieben einem bei Laudamotion aber erspart.

Da meinen Mitreisenden der Hunger plagte, entschloss sich Norbert, einen Schinken-Käsetoast zu bestellen. Was dort dann nach einer gefühlten Ewigkeit für 5,50€ serviert wurde spottete jeder Beschreibung. Ein in Einwegverpackung ersticktes, eckiges etwas mit dem Geruch von Schweißfüßen und dem Geschmack von eingeschlafenen.
Ich habe später in Las Palmas in einer kleinen Bar einen Schinken-Käse Toast gegessen, der größer und deutlich besser war und das für sage und schreibe 1,80€.
Den Griff nach der Speisekarte kann man sich also eigentlich getrost sparen.

Bereits rund 30 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit kamen wir auf dem Flughafen von Gran Canaria an. Auch unser Gepäck hatte die Reise heil überstanden und wir hielten es kurze Zeit später wieder in den Händen.

Fazit:

Auch wenn es mit dem nachträglich zu meldenden Gepäck auf einen Flugpreis von rund 112 Euro pro Person hinauslief, war die Leistung insgesamt doch fair dafür. Ein deutlicherer Hinweis darauf, dass ausgerechnet im teuersten Tarif kein Aufgabegepäckstück inkludiert ist wäre schön.
Die wahnwitzigen Einstiegspreise von 16,99€ für einen 4,5 Stunden Flug sollten einer transparenten Preispolitik weichen, denn sehe man es wie man will, solche Preise sind und können nicht kostendeckend sein. Im Gegenzug dazu sollten die Preisstaffeln nach oben fair gestaltet sein (z.B. Gepäckmitnahme oder flexibles Ticket) und auf die teuer verkauften Show Effekte wie Priority an jeder Ecke verzichtet werden. Diese Priority Leistungen bringen in den meisten Fällen kaum etwas, da sie von den Verantwortlichen an den Flughäfen in der Regel gar nicht konsequent ausgeführt werden.
Insgesamt sind wir für einen vertretbaren Preis gut angekommen.

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